Wintersport

Domratschewa/Björndalen: Zwei Medaillen fürs Glück

Von

on

Hochfilzen – Mit öffentlichen Liebesbekundungen hält sich das Biathlon-Traumpaar Darja Domratschewa und Ole Einar Björndalen eigentlich zurück.

Doch nach ihrem historischen Traumtag mit Silber für «Dascha» und Bronze für den «König der Biathleten» bei der WM in Hochfilzen war Björndalen einfach nur stolz. «Darja ist eine fantastische Frau und Athletin. Sie motiviert mich sehr», sagte der Rekord-Olympiasieger und Weltmeister. Und Domratschewa gab das Kompliment an ihren Mann umgehend zurück. «Es war ein unglaublicher Tag für unsere Familie. Ich bin so stolz auf ihn», sagte die eher zurückhaltende Weißrussin mit strahlenden Augen.

Das Power-Duo schrieb am Sonntag ein Stück Familien- und Biathlon-Geschichte. Denn nur vier Monate nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Xenia schaffte die 30-Jährige mit Silber in der Verfolgung hinter Laura Dahlmeier ein Wahnsinns-Comeback. «Das ist ein Traum, eine Traummedaille», sagte die dreimalige Olympiasiegerin nach ihrer ersten WM-Plakette seit 2013 und der insgesamt siebten.

Für Björndalen war es schon das 45. WM-Edelmetall, und das mit 43 Jahren. Und das erste als Vater. «Das ist wie ein Sieg für mich», sagte der Norweger. Für den «Kannibalen», wie Björndalen angesichts seiner Triumphe genannt wird, war der Erfolg seiner Frau nach eigener Aussage noch wichtiger als sein eigener. «Sie hat mich mit ihrem Rennen inspiriert. Ihr Comeback ist unglaublich.»

Lange hatten beide ein Geheimnis um ihre Beziehung gemacht. Aber letzten Sommer heirateten sie in «Daschas» Heimatstadt Minsk. Nun erfordert das Familienleben im Biathlon-Zirkus eine perfekte Organisation. Während der Rennen und beim Training passt entweder eine Babysitterin oder Domratschewas Mama Larissa auf Xenia auf. Und die Kleine spielt mit. «Sie ist ein liebes Mädchen, schläft gut und weckt uns nur, wenn sie Hunger hat», erzählt Domratschewa, der man nicht ansieht, dass sie vor kurzem Mutter geworden ist. Papa Ole ist vernarrt in seine Tochter. «Sie ist ein süßes, fröhliches Baby.»

Ihr letztes Rennen vor der Geburt bestritt Domratschewa am 22. März 2015 mit Platz vier im Massenstart von Chanty-Mansijsk. Anfang des Jahres feierte sie in Oberhof dann ihre Rückkehr. Insgesamt hatte Weißrusslands Nationalheldin 656 Tage gefehlt, weil sie zuvor wegen Pfeifferschen Drüsenfiebers hatte passen müssen. Dann wurde sie schwanger. «Es ist schön, wieder auf dem Podium zu sein», sagte sie.

In diesem für sie so besonderen Moment dachte sie auch an ihren langjährigen Coach Klaus Siebert. Der Altenberger, der im vergangenen April seinem langen Krebsleiden erlag, führte sie zu ihren drei Olympiasiegen 2014 in Sotschi. «Ich habe ihm so viel zu verdanken. Er hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin», sagte Domratschewa der Deutschen Presse-Agentur. Siebert war wie ein zweiter Vater für sie, denn ihr eigener starb früh. Nun bekam sie von Sieberts Sohn Glückwünsche per SMS. «Darüber habe ich mich sehr gefreut. Das bedeutet mir viel.»

Auch Laura Dahlmeier freute sich für Domratschewa. «Es ist nicht leicht, nach einer längeren Pause und gerade als Mutter, wo man noch andere Aufgaben und Verpflichtungen hat, zurückzukommen. Schön, dass es geklappt hat», sagte die 23-Jährige anerkennend, wohlwissend, dass sie in Zukunft eine Konkurrentin mehr hat. «Aber Konkurrenz belebt das Geschäft», sagte Dahlmeier selbstbewusst.

Domratschewa will wie ihr Ehemann auch bei Olympia 2018 glänzen. «Das ist unser Ziel», betonen beide. Und wer das Ehepaar kennt, wird ahnen: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Namen Domratschewa und Björndalen in Südkorea im kommenden Jahr in den Siegerlisten stehen.

Fotocredits: Martin Schutt
(dpa)

(dpa)

Empfehlungen für dich