Leichtathletik

Deutsches Speerwurf-Trio träumt von Medaillen-Triple

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London – Eins, zwei, drei. Wenn die Speere von Johannes Vetter, Thomas Röhler und Andreas Hofmann wieder so weit fliegen wie vor der Leichtathletik-WM, wäre ein Medaillen-Triple in London keine Utopie.

«Wir drei sind alle verrückt genug, um davon zu träumen», sagte Olympiasieger Röhler vor der Qualifikation, «andererseits sind wir Realisten genug, um das Stadion nicht in Tränen zu verlassen, wenn wir es nicht packen».

Die Weiten und Fakten dokumentieren ein von ihnen in dieser Saison entzündetes Speerwurf-Feuerwerk. Mit 94,44, 93,90 und 88,79 Metern liegen Vetter, Röhler und Hofmann in der Weltjahresbestenliste vorn. Ein weiterer Beleg ihrer Dominanz: Sieben weitere Würfe waren zudem weiter als die ihrer Konkurrenz. «Die Gegner wurden durch unsere sportliche Aktivitäten etwas ins Nichts gedrückt», sagte Röhler. «Sie werden uns das Leben aber schon schwer machen.» Bisher am dichtesten an ihnen dran: Der Finne Tero Pitkämäki mit 88,27 Metern.

Die Euphorie versucht Boris Obergföll etwas zu dämpfen. «Da drei Deutsche in der Weltbestenliste vorne liegen, ist für viele klar: Wir machen drei Medaillen», sagte der Bundestrainer, der mit dem Nachnamen Henry 1995 und 2003 WM-Bronze holte. «Davon kann man sich verabschieden, auch wenn das der Traum und Wunsch wäre.»

Allerdings lässt besonders Röhler nichts unversucht, den Weiten-Vorsprung zu halten oder auszubauen. Vor der WM hat er deshalb eine Drohne eingesetzt, die vom Himmel herab Fotos von der Flugbahn des Speers und der Körperhaltung beim Wurf macht. «Erst war es ein Männerspielzeug, das her musste», berichtete der 25-Jährige aus Jena, der auch Streichhölzer 32 Meter weit wirft. «Beim ersten Bild mit der Draufsicht einer Drohne war ich beeindruckt, was man da mehr sieht und nie gesehen hat.» Vielleicht könne man damit den «nächsten Innovationsvorsprung aus Deutschland» schaffen.

Exzellente biomechanische und wissenschaftliche Begleitung sowie der Austausch des Wissens unter ihren Trainern ist ein Teil des Speer-Wunders «Made in Germany». Fakt ist aber auch: Die Jungs mit der großen Wucht im Arm verstehen sich prima. «Der Gemeinschaftsgedanke treibt einen auch nach vorne», erklärte der Mannheimer Hofmann.

«Wir sind wirklich ein Team, wir können uns aufeinander verlassen», ergänzte Röhler. «Und wir drei haben richtig Bock zu gewinnen.» Nach dem Team-Kaffee vor der Abfahrt ins Stadion höre das Miteinander aber auf: «Wenn wir aus dem Bus steigen, macht jeder seins.»

Schon bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio schafften es drei Deutsche ins Speerwurf-Finale – neben Röhler und Vetter (4. Platz) auch Julian Weber (9.).«Wir kennen diese Situation also», sagte Röhler mit Blick auf den Endkampf am Samstag in London. «Wir gehen mit der Motivation und dem Wissen ins Finale, dass wir die Besten sein können.»

Der fünfmalige deutsche Meister Röhler glaubt, dass ihn sein Olympiasieg auch an der Themse beflügeln wird. «Mehr als diesen Rückenwind kann ich nicht mit reinnehmen ins Finale», meinte er. Deshalb pflege er auch kein Ritual zur psychologischen Unterstützung. «Nein. Ich brauche keine ungewaschene Socke im Gepäck», sagte Röhler. Mein Motto lautet: Alles so leicht und einfach halten wie möglich!»

Fotocredits: Gregor Fischer
(dpa)

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