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3:2 gegen Polen: Struff hält Davis-Cup-Team erstklassig

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Berlin – Dank Matchwinner Jan-Lennard Struff hat sich das deutsche Davis-Cup-Team zum Weltgruppen-Verbleib gekrampft und den dritten Sturz in die Zweitklassigkeit gerade noch vermieden.

Nach dem verspielten 2:0-Vorsprung im Relegationsspiel gegen Außenseiter Polen rettete Struff den ersatzgeschwächten Gastgebern um den zurückgetretenen Florian Mayer in Berlin den knappen 3:2-Erfolg. «Ich habe als kleines Kind davon geträumt, jetzt bin ich hier – das ist Wahnsinn», sagte Struff.

Im entscheidenden letzten Einzel siegte er 7:6 (7:4), 6:4, 6:1 gegen den Weltranglisten-329. Hubert Hurkacz und gewann auch sein zweites Match am Wochenende. Nach seinem verwandelten Schmetterball hüllte sich Struff unter dem Beifall der 2700 Fans und des erleichterten deutschen Teams im Steffi-Graf-Stadion in eine schwarz-rot-goldene Fahne. «Er kann sehr, sehr stolz auf sich sein», sagte Kapitän Michael Kohlmann.

Zuvor verlor der nervenschwache Mayer 2:6, 6:4, 2:6, 3:6 gegen Außenseiter Kamil Majchrzak. Nach der Partie verkündete der demnächst 33 Jahre alt werdende Bayreuther seinen schon zuvor beschlossenen Abschied aus dem Davis-Cup-Team, das zuletzt 2003 abgestiegen war.

Am Samstag hatten Daniel Brands und der starke Debütant Daniel Masur im Doppel trotz 2:0-Satzführung noch 7:6 (7:5), 6:4, 3:6, 4:6, 2:6 gegen die Spezialisten Lukasz Kubot und Marcin Matkowski verloren. So hätte es fast noch die Quittung nach den Absagen von Alexander Zverev und Dustin Brown und dem Ausfall des verletzten Philipp Kohlschreiber gegeben. Eine Woche nach dem strahlenden US-Open-Triumph von Angelique Kerber verhinderte Struff unerwünschte Negativschlagzeilen für das deutsche Tennis.

Der 67. der Weltrangliste zeigte von Beginn an eine ganz andere Körpersprache als Mayer, der dem Druck nicht mehr gewachsen war. «Wenn er sein Spiel durchziehen kann, glaube ich immer noch, dass wir das gewinnen können», hatte Kohlmann, mit dem die Zusammenarbeit auch im kommenden Jahr weitergehen soll, vor dem entscheidenden Einzel von Struff verkündet. «Er hatte dieses Vollgas in sich selbst und hat das drei Sätze durchgezogen», erklärte er nach der zweistündigen Partie.

Zwar konnte Struff im ersten Satz bei Führungen von 5:4 und 6:5 nicht seinen Aufschlag durchbringen, setzte sich aber im Tiebreak durch. Der 26 Jahre alte Sauerländer machte danach das 0:2 im zweiten Satz sofort wett und profitierte beim Satzball von einem Rückhandfehler von Hurkacz. Der 19-Jährige bot wie bei seiner Niederlage am Freitag gegen Mayer nach besten Kräfte Paroli, half Struff aber auch in entscheidenden Momenten unfreiwillig. Der Warsteiner verfügte insgesamt sowieso über mehr Power und wirkte auf dem Sandplatz im Grunewald selbstbewusster.

Der sensible Mayer verkündete nach seiner verzagten Vorstellung gegen den Weltranglisten-277. Majchrzak, in der ihn mentale und körperliche Probleme plagten, seinen Abschied. «Es war eine lange Reise und eine schöne Zeit für Deutschland. Ich möchte den Weg freimachen für die nächste Generation», erklärte der 2004 erstmals eingesetzte Mayer nach der neunten Niederlage im 19. Davis-Cup-Einzel. «Es fällt mir nicht leicht, aber es ist jetzt auch endgültig», betonte er. Die Belastung an einem Wochenende sei brutal, daraus müsse er seine Schlüsse ziehen. Auf der ATP-Tour soll es aber für den Turniersieger von Halle noch weitergehen.

Fotocredits: Soeren Stache,Soeren Stache,Soeren Stache,Soeren Stache,Soeren Stache,Soeren Stache,Soeren Stache
(dpa)

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